FESTANSPRACHE
ANLÄSSLICH DES FEIERLICHEN EMPFANGS ZUR FEIER DER
STÄDTEPARTNERSCHAFT
zwischen Husum und Douarnenez
am 24.9.24 im Rathaus Husum
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kindl,
Sehr geehrter Herr Bürgervorsteher Koch,
Sehr geehrter Herr Kreispräsident,
Une pensée va à Mme le Maire Poitevin qui ne peut pas être ici parmi nous,
Liebe Veronika Tuisel-Kühn,
Cher Claude Rossignol,
Sehr geehrte Vertreter der Städte Husum und Douarnenez,
sehr geehrte Damen und Herren,
chers amis de Douarnenez et Husum,
wir erleben ein besonders bewegtes und bewegendes Jahr 2024 -
weltweit, in Europa, in Frankreich und Deutschland und im deutsch-französischen Bereich.
Bilder von unerwarteten, tragischen und freudigen Ereignissen erreichen uns in dichter Folge,
von Leid und Bombenschäden in der Ukraine oder im Gazastreifen, feiernden Fußballfans
oder einer grandiosen Olympia-Eröffnungsfeier in Paris, Feierlichkeiten zur Libération in
Frankreich, Anschlag auf Gläubige oder Feiernde von Menschen in ideologischer
Verblendung, u.a. dann auch so etwas wie Ihre Begegnung der Freundschaft hier. Es ist mir
wichtig an diesen Gesamtkontext zu erinnern
In bewegten Zeiten ist es aber auch wichtig, positive Akzente setzen, Erfreuliches
hervorzuheben und Freundschaft zu feiern,
Es ist mir eine große Ehre und Freude, dass mir als Regionale Beraterin für den Dt-Frz.
Bürgerfonds zu diesem festlichen Anlass heute die Festansprache angetragen wurde. Ich
fühle mich auch ein wenig wie die Geburtshelferin oder Patin dieser Partnerschaft.
Da Sie auf Ihrer Einladung St .Exupéry zitiert haben, möchte ich mit einem anderen Zitat von
ihm beginnen.
„Wenn Du Schiffe bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu
beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht
nach dem weiten, endlosen Meer.“ (aus Die Stadt in der Wüste)
Dieses Zitat von St. Exupéry illustriert auf wunderbare Weise wie eine Vision Menschen
motivieren kann ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.
Von einer solchen Vision beseelt war eine Person, die sich am 6. Januar 2021 mit einer
Email an mich wandte:
"Sehr geehrte Frau Mehdorn
Meine Stadt, Douarnenez, möchte eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt schliessen.
(...). Wir möchten Verbindungen mit Deutschland vertiefen,
[....] Ich handle als „Aufklärer“ des Stadtrats für dieses Gesuch. Ich habe mich per E-Mails an
DFJW, DFI und RGRE gewandt. Die französische Botschaft in Berlin (M. P.Guilbert) hat mir
geraten mit Ihnen, als Präsidentin der VDFG, in Verbindung zu treten; daher diese E-Mail."
Unterzeichnet: Claude Rossignol
Am 12.1. sandte ich eine Anfrage in unserem Verband u.a. an die DFG Husum, Veronika
Tuisel-Kühn, binnen einer 1/2 Std. kam ein positives Echo und bis zum Abend hatte sie das
positive Votum ihres DFG-Vorstands eingeholt. Wir vereinbarten für Ende Januar 2021 eine
erste Online-Begegnung mit Douarnenez. Es folgten mehrere Online-Termine mit immer
mehr Beteiligten, ein Online-Apéro, und im Oktober 2021 der 1. Besuch aus Husum in DZ.
Was danach kam wissen Sie besser als ich.
Im Oktober 2021 fand auch der Kongress der Vereinigung Deutsch-Französischer
Gesellschaften für Europa VDFG-FAFA in St. Brieuc statt. Und die gesamte Delegation aus
Douarnenez und Husum kam an einem Tag nach St. Brieuc ,um sich bei mir für die
Kontaktvermittlung zu bedanken. Das hat mich sehr berührt.
"Wir vereinen nicht Staaten, wir bringen Menschen einander näher“, war einst Vision von Jean
Monnet, einem der Wegbereiter der europäischen Einigung.
Dazu tragen Städtepartnerschaften mit ihren vielfältigen zivilgesellschaftlichen Netzwerken
wesentlich bei. Sie schaffen die Basis für ein Miteinander, das über Grenzen hinausgeht, sie
schaffen Netzwerke für die Beziehungen zwischen zwei Ländern, die "menschliche
Infrastruktur" für die Freundschaft ,wie A. Grosser es nannte, füllen sie mit Leben,
unabhängig von der politischen Großwetterlage. Sie leben damit das Herzstück der
europäischen Idee – nämlich Verständnis, Zusammenarbeit, Freundschaft für den Frieden.
Städtepartnerschaften zeigen, dass die wahre Kraft für die europäischen Integration in den
Beziehungen zwischen den Bürgern liegt.
Nachdem im letzten Jahr die Partnerschaft in Douarnenez beurkundet worden ist, feiern wir
sie nun heute hier in Husum:
Diese Partnerschaft eröffnete ein neues Kapitel in der Geschichte der beiden Städte.
Douarnenez und Husum, zwei Städte, die auf den ersten Blick weit entfernt sind, durch das
Meer getrennt scheinen, aber durch ihre enge Verbindung zum Meer auch verbunden sind,
ähnliche Herausforderungen und gemeinsame Werte teilen. So wie das weite Meer den
Horizont erweitert, so erweitert eine Partnerschaft den Raum der Möglichkeiten – sie schafft
Raum für Austausch, gegenseitiges Verständnis und Freundschaft für alle Interessierten in
Ihren Orten.
Sie werden gemeinsam Brücken bauen, die nicht nur die Städte, sondern auch ihre
Bürgerinnen und Bürger einander näher zusammenbringen, damit aber auch die deutsch-
französische Freundschaft stärken.
Um es mit den Worten des Bundespräsidenten zu sagen:
"Europas Stärke, Europas Wertegemeinschaft, Europas Glück und Europas Zukunft hängt
zu einem großen Teil von der Partnerschaft, ja der Freundschaft zwischen Deutschland und
Frankreich ab". (BP Steinmeier, 500. Jubiläum des Libori-Festes 2022)
Gerade in Zeiten zunehmender extremer Kräfte an den politischen Rändern, von
zunehmendem Rassismus und Diskriminierung und einer Kommunikation, die allzu oft auf
Konfrontation und nicht auf Verständigung angelegt ist, scheint es mir ganz besonders wichtig,
direkte Kontakte zwischen Menschen zu ermöglichen,
um Ängste zu nehmen und Vertrauen aufzubauen,
um Einblick in die andere Kultur zu geben,
Verständnis, Respekt Toleranz und Freundschaft wachsen zu lassen,
die als starke Bande unsere Gesellschaften von Mensch zu Mensch verbinden und
ein Gegeneinander zw. unseren Ländern ein für alle Mal ausschließen.
Vergessen wir aber nicht: Eine Städtepartnerschaft lebt von den Menschen, die sie tragen.
Sie geht uns alle an. Es ist das freiwillige Engagement, der Enthusiasmus und der Mut, über
den eigenen Horizont hinauszublicken, die diese Verbindung stark und lebendig halten.
Dank gebührt daher heute den vielen engagierten Bürgern und den Vertretern beider Städte,
die diese Partnerschaft ins Leben gerufen und möglich gemacht haben. Sie haben die
Sehnsucht nach einer tieferen, grenzenlosen Verbindung geweckt. Ihr Einsatz und Ihre
Vision machen dies heute möglich.
Wie es sich bei einem solchen Anlass gehört, habe ich kleine Geschenke mitgebracht :
Samenkarten, damit Freundschaft in beiden Städten erblühen kann.
Und diese Aufkleber die ihr mehr Sichtbarkeit verleihen sollen..
Ich wünsche Ihnen, mit Freude, Optimismus diese Partnerschaft umzusetzen und zu leben.
Möge sie das Leben in beiden Städten bereichern, eine lebendige Freundschaft sein, die
Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich festigen und die europäische Integration
erlebbar machen. Behalten Sie diese gemeinsame Vision immer vor Augen.
Viel Erfolg für ihr deutsch-französisches Engagement.
Es lebe die Freundschaft zwischen Douranenez und Husum!
Es lebe die deutsch-französische Freundschaft für Europa!
DR. MARGARETE MEHDORN
Ehrenpräsidentin der VDFG für Europa e.V.
Regionale Beraterin des Deutsch-Französischen Bürgerfonds
für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern


